Volkstrauertag

Volkstrauertag 15. November 2020

Pfr. Gottfried Heß, Simmern

 

Immer zwei Sonntage vor dem Ersten Advent erinnert uns der Volkstrauertag an alle Opfer von Krieg und Gewalt,

Dieser Opfer wollen wir gedenken.

Zugleich ist er ein Tag des Nachdenkens darüber,

wie wir heute auf Krieg und Gewalt reagieren.

Am Volkstrauertag wollen wir uns daran erinnern lassen,

was wir – persönlich, aber auch als reiches Land in einem freien und friedlichen Europa – für Freiheit und Menschlichkeit auf der Welt tun können.

Aus diesem Grund haben wir uns in den letzten Jahrzehnten am Kriegerdenkmal unseres Dorfes/ unserer Stadt eingefunden.

 

Dieses Jahr ist es durch die Corona-Epidemie nicht möglich.

 

Daher Worte der Erinnerung und des Nachdenkens auf diesem Weg.

 

Wir wollen Offenheit und Toleranz leben können

und dafür die Verantwortung dafür tragen,

dass es auch auf unserem Boden nicht mehr zum Krieg kommt.

 

Vor einigen Jahren besuchte ich mit meiner Frau den deutschen Soldatenfriedhof in Andilly in der Nähe von Nancy in Frankreich.

Der Onkel meiner Frau liegt dort begraben. Mit Hilfe der ausliegenden Listen fanden wir das Grab. 33.085 Soldaten, die im 2. Weltkrieg den Tod fanden, sind auf diesem Soldatenfriedhof begraben. Unzählige Kreuze bedeckten das Feld. Das Bild geht mir heute, Jahre später immer noch nach: Über 33.000 Tote.

 

 

In Mitteleuropa sind wir seit dem 2. Weltkrieg „Gott sei Dank“ vom Krieg verschont geblieben, aber in vielen Ländern herrschte in dieser Zeit Krieg, und auch heute gibt es noch viele Kriegsgebiete mit vielen Opfern.

Wir sind daher aufgerufen, uns jeder Form von Gewalt entgegenzustellen.

So wie es in der Verheißung des Propheten Micha steht:

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“

Micha 4, 3

 

„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“ – das war die klare Botschaft der 1. Vollversammlung des Weltkirchenrates in Amsterdam 1948, dies hat nichts von ihrer Gültigkeit verloren.

 

Fürbitte

 

Gott, du denkst Gedanken des Friedens.

Dein Herz will unsere Herzen bewegen,

damit wir als Menschen immer wieder

aufeinander zugehen und uns miteinander versöhnen.

 

Wir bitten dich:

Für die Menschen, die gegenwärtig

in Kriegs- und Krisenregionen leben:

Schenke den Opfern von Gewalt und Terror Unterstützung.

Gib denen, die sich um die Verletzten und Sterbenden kümmern, die Kraft, die sie benötigen.

Führe die Herzen derer, die Gewalt anwenden,

zur Einsicht und Umkehr.

 

Du Gott des Friedens: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

Für die Menschen, die durch Kriege und Krisen

Angehörige und Freunde verloren haben:

Schenke ihnen Trost,

bewahre sie vor Verzweiflung, Bitterkeit und Hass.

 

Du Gott des Friedens: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

Für alle, die weltweit Opfer von Pandemien werden,

die unter Hunger, Armut und Obdachlosigkeit leiden,

die nur geringe Bildungsmöglichkeiten haben

sowie für alle Menschen auf der Flucht:

Begleite sie mit deiner Fürsorge.

Stelle ihnen Menschen an die Seite, die sie unterstützen.

Segne alle, die sie medizinisch, spirituell

oder psychologisch begleiten.

 

Du Gott des Friedens: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

Für uns selbst, die wir im Frieden leben:

Bewahre uns vor Gleichgültigkeit.

Stärke uns, aus deinem Geist solidarisch zu handeln

in unserem eigenen Land und weltweit.

 

Du Gott des Friedens: Wir bitten dich, erhöre uns.

 

Du Gott des Friedens und der Liebe:

Wir danken Dir, dass du uns begleitest und uns den Weg zeigst.

Dein Geist bestimme unsere Haltung

und erleuchte unser Gewissen, um in unserer Zeit zu leben.

Dein Geist bewege unsere Herzen,

damit wir unsere Gaben einsetzen zum Wohl der ganzen Welt, heute und alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit.

Amen.

(Handreichung zum Volkstrauertag 2020, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, S. 19)

 

Totengedenken des Bundespräsidenten

Wir denken heute an die Opfer von

Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen

und Männer aller Völker.

 

Wir gedenken der Soldaten, die in den

Weltkriegen starben, der Menschen, die

durch Kriegshandlungen oder danach in

Gefangenschaft, als Vertriebene

und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

 

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet

wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten,

einer anderen Rasse zugerechnet wurden,

Teil einer Minderheit waren oder deren Leben

wegen einer Krankheit oder Behinderung als

lebensunwert bezeichnet wurde.

 

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen,

weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft

geleistet haben, und derer, die den Tod fanden,

weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem

Glauben festhielten.

 

Wir trauern um die Opfer der Kriege und

Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von

Terrorismus und politischer Verfolgung, um die

Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte,

die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer, die bei uns

durch Hass und Gewalt gegen Fremde und

Schwache Opfer geworden sind. Wir trauern

mit allen, die Leid tragen um die Toten,

und teilen ihren Schmerz.

 

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung

auf Versöhnung unter den Menschen und

Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem

Frieden unter den Menschen zu Hause

und in der ganzen Welt.

 

 

Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident

(Handreichung zum Volkstrauertag 2020, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, S. 9)

 

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