Hausgottesdienst September 2021

Hausgottesdienst

Evang. Gemeindeverbund Simmern

Sirach 42, 15-16,  43, 2/ 14. Sonntag nach Trinitatis 5.9.2021

mit Bildmeditation zu dem Bild „Sonnenblumen“ von Bertha Heß

Pfarrer Gottfried Heß

 

Die aktuellen Hausgottesdienste als PDF-Datei zum Ausdrucken, (und auch die Hausgottesdienste, Musik der vorherigen Wochenenden) finden Sie hier:

https://redstorage.ekir.de/d/4042646506104758bed3/

 

Lied Evang. Gesangbuch: 455, 1 - 3

1.Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang.

Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt.

Dank für die Lieder, Dank für den Morgen,

Dank für das Wort, dem beides entspringt.

2.Sanft fallen Tropfen, sonnendurchleuchtet.

So lag auf erstem Gras erster Tau.

Dank für die Spuren Gottes im Garten,

grünende Frische, vollkommnes Blau.

3.Mein ist die Sonne, mein ist der Morgen,

Glanz, der zu mir aus Eden aufbricht!

Dank überschwänglich, Dank Gott am Morgen!

Wiedererschaffen grüßt uns sein Licht.

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen!

 

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Aus Psalm 19

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes.

Ein Tag sagt's dem andern,

und eine Nacht tut's kund der andern,

ohne Sprache und ohne Worte;

unhörbar ist ihre Stimme.

Ihr Schall geht aus in alle Lande

und ihr Reden bis an die Enden der Welt.

Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; /

sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer

und freut sich wie ein Held, zu laufen die Bahn.

Sie geht auf an einem Ende des Himmels /

und läuft um bis wieder an sein Ende.

 

Gebet:

Schöpfer des Lichts, Sonne meines Lebens,

ich danke dir für diesen Tag.

Hilf mir, deinen Willen zu erkennen und zu tun.

Gib mir Kraft für die Aufgaben, die mir gestellt sind.

Gib mir Mut für die Schritte, die ich tun muss.

Gib mir Liebe zu den Menschen, die mir begegnen.

Lass mich erfahren, dass du mir nahe bist in allem,

was geschieht. Amen.

 

Lied: Evang. Gesangbuch: 449, 1 - 3

1.Die güldne Sonne voll Freud und Wonne

bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen

ein herzerquickendes, liebliches Licht.

Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder;

aber nun steh ich, bin munter und fröhlich,

schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

2.Mein Auge schauet, was Gott gebauet

zu seinen Ehren und uns zu lehren,

wie sein Vermögen sei mächtig und groß

und wo die Frommen dann sollen hinkommen,

wann sie mit Frieden von hinnen geschieden

aus dieser Erden vergänglichem Schoß.

3.Lasset uns singen, dem Schöpfer bringen

Güter und Gaben; was wir nur haben,

alles sei Gotte zum Opfer gesetzt!

Die besten Güter sind unsre Gemüter;

dankbare Lieder sind Weihrauch und Widder,

an welchen er sich am meisten ergötzt.

 

Predigttext

Sirach 42, 15 + 16 und 43, 2

Ich will nun der Werke des Herrn gedenken und erzählen,

was ich gesehen habe.

Durch die Worte des Herrn sind seine Werke geworden.

Leuchtend blickt die Sonne auf alles herab,

und des Herrn Werke sind seiner Herrlichkeit voll.

Wenn die Sonne aufgeht,

verkündet sie den Tag;

sie ist ein Wunderwerk des Höchsten.

 

Predigt

Liebe Gemeinde!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Sonnenblumen in Vase", Bertha Heß, ca. 1935, Öl auf Leinwand"

 

Dieses Bild ist realistisch und doch nicht mit Details gemalt.

Konturen verschwimmen, der Hintergrund ist nur angedeutet.

Drei Sonnenblumen in einer Vase. Davor eine verwelkte Sonnenblume auf dem Tisch, ein Buch und eben ein undefinierbarer Hintergrund. Sind es Bücher, ein Fenster, es bleibt unklar.

Die Sonnenblume ist umkränzt von ihren Blütenblättern,

umkränzt die Samen in ihrer Mitte. Ich liebe Sonnenblumen.

Wenn ich im Sommer an einem Feld mit Sonnenblumen vorbeifahre,

freue ich mich. Dieser Glanz, diese Farben, diese Fülle!

Sie sind so riesig und unbeschreiblich schön.

Dabei wachsen sie aus einem Kern, der kleiner ist als der Nagel eines Kinder-Fingers. Und daraus wächst ein kräftiger Stamm, der Wind und Wetter trotz und standfest ist beinahe wie ein Baum.

Die Blätter sind kräftig und fest, haarig und ein wenig stupfelig.

Die Blätter nehmen das Sonnenlicht und dessen Wärme auf.

Sie wächst dem Himmel entgegen und auch, wenn sie ihn auch nicht erreichen kann, sie lacht ihm doch entgegen, sie nimmt das Licht des Himmels in sich auf. Das Gelb strahlt in etlichen Facetten. Jedes Blütenblatt ist einmalig.

Wenn wir das nächste Mal eine Sonnenblume sehen, bleiben wir doch mal kurz stehen, halten inne und fangen an zu staunen.

Am besten wäre es, wenn wir beim Anblick dieser prächtigen Blumen dem Schöpfer danken.

Die Sonnenblume heißt nicht umsonst Sonnenblume.

Ihre Blüte ist ein Symbol für die Sonne und Strichzeichnungen einer Sonne haben oft die Sonnenblume als Vorbild.

Die Sonne hat etwas, sie hat eine Leuchtkraft,

die über das Licht und die Wärme hinausgeht;

sie ist mehr:

sie ist ein Symbol der Lebenskraft,

sie ist damit ein Sinnbild für Gott selbst,

für den Gott, der die Sonne schuf und der sie sich zum Sinnbild für sich selbst machte.

Durch die Zeiten hindurch haben das die Menschen gespürt, dass hier Gott selbst aufleuchtet, seit sie die lebenspendende Macht der Sonne begriffen hatten.

All das spiegelt sich auch in der Bibel, all das hat auch zu tun mit dem christlichen Glauben.

Die Sonne ist mir ein Sinnbild für Gott in seiner verschwenderischen Gnade; sie zeigt mir, wie klein auch wir modernen und hochtechnisierten Menschen sind.

Da steht sie am Himmel, die Sonne, seit Vier-ein-Halb Milliarden Jahren, Halbzeit ihrer Lebensdauer; viele Millionen Grad heiß;

unbeschreiblich groß: 100-mal so breit wie die Erde,

8 Minuten braucht der Lichtstrahl von ihr bis er uns auf der Erde erreicht. Pro Sekunde erreicht uns so viel Energie, wie 150 Millionen von unseren großen Kraftwerken liefern könnten.

Gut, dass wir die nicht alle bauen und betreiben müssen.

Und dabei, erreicht uns nur ein Halbes Millionstel der Energie, die die Sonne ausstrahlt, das meiste verströmt sich im Universum.

Das klingt fast wie Verschwendung!

Das ist wie Gott in seiner verschwenderischen Gnade!

Das ist wie Gott, der uns eine Welt in verschwenderischer Schönheit, Reichtum, Vielfalt zur Heimat gemacht hat!

Sie ist verschwenderisch, diese Sonne.

Es ist ein verschwenderischer Gott, der sich jedes neuen Menschen aufs Neue annimmt, mit ihm, mit Ihnen, seinen Weg geht.

Als Jesus in der Bergpredigt von der Feindesliebe redet,

da spielt er auf diese verschwenderische Gnade Gottes an:

"Er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute

und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte." (Mt 5,45)

In verschwenderischer Großzügigkeit schenkt Gott uns das Leben,

schenkt er uns die Gaben der Natur, die Kraft unserer Hände und Gedanken, und es ist auch richtig, dass wir uns in seiner Gnade sonnen, dass wir uns von seiner Gnade bescheinen lassen

und einige Momente all das hintenan stellen, was uns an Zweifeln und Anfragen an diese Gnade auch in den Sinn kommen mag.

Ohne das Licht der Sonne und den Schein dieser Gnade kann kein Mensch leben. Die Sonne schenkt uns Lebensenergie,

und produziert in uns Stoffe, die und glücklich machen,

die wir zum Leben brauchen, wenn wir ein ordentliches Maß Sonne abbekommen.

Wenn wir in das freundliche Angesicht Gottes schauen,

wenn wir seine Gnade spüren, wie die Sonne auf der Haut,

werden Zweifel an uns selbst überstrahlt, unsere engen Grenzen in Weite verwandelt, unsere verpassten Chancen und missglückten Unternehmungen erscheinen in einem anderen Licht.

Wie die Sonne sich aufbraucht und verzehrt, so verliert sich Gott in seinem Sohn Jesus Christus in Liebe an uns.

Das heißt: Er verliert sich nicht wirklich darin, im Gegenteil,

er findet sich wirklich darin,

so wie jeder Mensch sich erst in der Liebe findet -

zuerst und zuletzt in der Liebe Gottes!

Amen!

 

Lied: Evang. Gesangbuch 690, 1 + 2 + 5

1.Auf, Seele, Gott zu loben.Gar herrlich steht sein Haus!

Er spannt den Himmel droben gleich einem Teppich aus.

Er fährt auf Wolkenwagen, und Flammen sind sein Kleid.

Windfittiche ihn tragen, zu Diensten ihm bereit.

2.Gott hat das Licht entzündet, er schuf des Himmels Heer.

Das Erdreich ward gegründet, gesondert Berg und Meer.

Die kühlen Brunnen quellen im jauchzend grünen Grund,

die klaren Wasser schnellen aus Schlucht und Bergesgrund.

5.Der Wald hat ihn erschauet und steht in Schmuck und Zier.

Gott hat den Berg gebauet zur Zuflucht dem Getier.

Das Jahr danach zu teilen, hat er den Mond gemacht.

Er lässt die Sonne eilen und gibt den Trost der Nacht.

 

Fürbitten

 

Wir bitten dich: Lass uns all das Gute,

das wir erfahren, nicht als selbstverständlich hinnehmen;

sondern lass uns erkennen,

dass du es bist, der uns beschenkt.

Und lass uns weitergeben, was wir haben,

an Menschen, die uns brauchen.

An Traurige und Enttäuschte, an Mutlose und Überforderte,

an Kranke und Sterbende,

dass sie in ihrem Leid nicht nur die Last sehen,

die sie zu tragen haben,

sondern auch dich als den,

der ihnen helfen will, diese Last zu tragen.

Amen.

 

Vater unser

 

Segen

 

Gottes Geist erleuchte dich,

Gottes Liebe durchdringe dich,

Gottes Friede umfange dich,

Gottes Sonne strahle auch dich,

Gottes Herz erwärme dich,

Gottes Güte segne dich.

 

Amen.

 

 

 

Das Original-Bild ist neben vielen anderen

in der Ausstellung:

„Die Herrlichkeit Gottes in der Natur“

in der evang. Kirche in Tiefenbach

17.10. – 28.11.2021, Sa + So 14.00 – 18.00 Uhr

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