Hausgottesdienst 26.07.2020

Hausgottesdienst - Evangelischer Gemeindeverbund Simmern - 26.07.2020
Hebräer 13,1-3
- 7. Sonntag nach Trinitatis
Pfarrerin Heike Perras
Dankeschön an Kantor Joachim Schreiber und seine Familie für die Musik.

Vorspiel: Improvisation zu den neun Planeten Nr. 4 Mars, der scheiternde Kriegsgott

Lied: EG 440,1-4 All Morgen ist ganz frisch und neu

All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu;
sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.
Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir von dir begehrn:
Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.
Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt uns, Herr, vor Ärgernis,
vor Blindheit und vor aller Schand und reich uns Tag und Nacht dein Hand,
zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag,
wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt.

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen! Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Amen.

 

Wochenspruch: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. (Eph 2, 19)

 

Psalm 23 (eg 710)

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

 

Gebet:
Guter Gott, heute geht es um ganz konkrete Bedürfnisse - satt werden, ein Dach über dem Kopf haben, Gemeinschaft finden, frei leben, Hilfe bekommen. All das ist für unser Leben wichtig. All das bekommen wir nur scheinbar ohne dich - denn wann immer Menschen einander Gutes tun, ist dein Geist mit dabei. Danke, Gott, dass du uns gibst, was wir brauchen. Lass es uns nicht selbstverständlich nehmen. Und lass uns an all Menschen denken, denen es an so vielem fehlt. Amen

 

Lesung Johannes 6,30-35
Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? 31 Unsre Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht (Psalm 79,24): «Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.» 32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. 34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. 35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

 

Glaubensbekenntnis

Lied: EG 418 Brich dem Hungrgen dein Brot

Brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus.
Such mit den Fertigen ein Ziel, brich mit den Hungrigen dein Brot,
sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied.
Teil mit den Einsamen dein Haus, such mit den Fertigen ein Ziel,
brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort.
Sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus,

such mit den Fertigen ein Ziel, brich mit den Hungrigen dein Brot.
Sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied,
teil mit den Einsamen dein Haus, such mit den Fertigen ein Ziel.

 

Predigt:
Die Liebe Gottes und die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

 

Liebe Gemeinde!

Der 7. Sonntag nach Trinitatis ist der Abendmahlssonntag - im Evangelium, das wir eben gehört haben, geht es um das Brot des Lebens, im Wochenspruch darum, dass wir Gottes Hausgenossen sind- und wer in einem Haus zusammen lebt, isst auch zusammen. Abendmahl feiern wir heute nicht - auch wenn wir nicht gerade in der Coronazeit leben würden, hätten wir hier auf unseren Dörfern nach reformierter Tradition kein Abendmahl gefeiert, denn das ist nur viermal im Jahr dran. Das fand ich all die Jahre immer ein bisschen schade, ich bin aus einer lutherischen Kirche hierher gekommen, und eigentlich möchte ich jeden Sonntag Abendmahl feiern - mit Brot und Wein als leiblichem Zeichen für Gottes Gegenwart. Und jetzt gab es noch nicht einmal zu Ostern oder Pfingsten Abendmahl. Ich muss ganz ehrlich sagen, es fehlt mir. Natürlich können wir vollgültige Gottesdienste feiern ohne Abendmahl, und ein Abendmahl mit Masken und Pinzette oder Handschuhen brauche ich dann auch nicht.
Aber ich möchte festhalten - das Abendmahl fehlt mir, und es fehlt mir auch die körperliche Berührung, der Handschlag, die Umarmung, der Friedensgruß.
Im Predigttext für heute geht es nicht direkt um das Abendmahl, aber um die Gemeinschaft und um die Gastfreundschaft. Ich lese aus dem Hebräerbrief
aus dem 13. Kapitel: Bleibt fest in der geschwisterlichen Liebe. 2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. 3 Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.

 

Schon der erste Vers dieses kurzen Predigttextes sagt sehr viel:
Bleibt fest in der geschwisterlichen Liebe. Geschwisterliche Liebe, da geht es dem Verfasser des Hebräerbriefs nicht um die leiblichen Brüder und Schwestern, sondern natürlich um die Brüder und Schwestern in Christus, um die Menschen, die zur christlichen Gemeinschaft dazu gehören. Und da ist auch nicht gemeint, dass man diesen einfach nur warme Gefühle entgegenbringen soll - damit ist es nicht getan, da geht es ganz konkret um praktische Hilfe, da geht es darum, dass die Reichen der Gemeinde die Armen unterstützen sollen, dass es einen Ausgleich geben soll, so dass alle genug haben.
Und genau das ist auch bei uns immer noch und in diesen Coronazeiten umso mehr wichtig - dass die Reichen die Armen unterstützen und etwas abgeben. Deshalb sammeln wir in jedem Gottesdienst eine diakonische Kollekte, eine Kollekte, die nicht Gebäuden oder kirchlichen Veranstaltungen zugute kommen darf, sondern die mithilft, dass es Menschen besser geht, die benachteiligt sind.
Deshalb gibt es aber auch einen Finanzausgleich in der Landeskirche, und deshalb versuchen wir z.B. als Kirchenkreis die schlimmste Not in unserem Partnerkirchenkreis in Botswana zu lindern. Deshalb sammeln wir heute im Klingelbeutel für die Rhein-Hunsrück-Tafel (in Simmern und Trinitatis) oder für das Aenne-Wimmers-Hospiz (Sargenroth-Mengerschied), deshalb sammeln wir heute in der landeskirchlichen Kollekte für die Pflege und Begleitung HIV-infizierter Menschen in Namibia und Westpapua.
Geschwisterliche Liebe - da geht es aber natürlich auch darum, ganz konkret für den Bruder und die Schwester da zu sein - für Bruder und Schwester im übertragenen Sinn, also für Nachbarn, Freunde und Bekannte, für Menschen, die wir kennen und die bei uns in der Nähe wohnen - und auch mal ganz bewusst für den leiblichen Bruder oder die Schwester, mit der ich durch die gemeinsamen Eltern verbunden bin - da gibt es ja auch oft Misstrauen oder Neid, gerade wenn es um die Zuwendung der Eltern zu uns geht oder auch darum, was wer von uns für die Eltern tut. Auch Bruder und Schwester mit liebenden Augen anschauen und sich freuen über das, was sie haben, was sie tun, wie sie sind… auch das ist wichtig…

 

Ich komme zum zweiten Vers: Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.
Die Gastfreundschaft - natürlich, in der Bibel wie in jeder orientalischen Gesellschaft auch heute noch ein ganz hohes Gut. Gastfreundschaft - da ließe sich jetzt eine ganz eigene Predigt zu schreiben. Gemeinsam essen in der Familie, ohne ständig auf das Handy zu schauen - Abendmahl feiern auch über konfessionelle Grenzen hinweg - Menschen einladen, die einsam sind - für jemanden kochen, der das nicht mehr kann - einen Pilger für eine Nacht aufnehmen oder sogar einem Pflegekind ein Zuhause geben - bis hin zur Gastfreundschaft, die wir Menschen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind, geben können.
Gastfreundlich sein in dem Gedanken, dass jeder Mensch für uns zum Engel werden kann - und das Haus teilen mit Fremden, für einen Abend, eine Nacht, ein paar Tage oder sogar länger. Gar nicht so einfach, denn es bringt uns unseren Ablauf durcheinander und vielleicht sogar die Ordnung in unserem Haus.
Ich gestehe, ich bin auch keine Weltmeisterin der Gastfreundschaft, vor allem, wenn so ganz spontan eine Anfrage kommt, ob ein Pilger oder ein Flüchtling mal eben bei mir übernachten kann…
Aber schön finde ich es, wenn Menschen so offenherzig sein können und wenn ein Mensch, der eine Unterkunft braucht, vielleicht auch ein bisschen länger bleiben kann. Ich habe so Menschen schon kennen gelernt.
Ob Sie so ein Mensch sind, das wissen Sie selbst am Besten - aber vielleicht haben Sie den Mut und probieren einmal etwas Neues aus…
Ich habe heute noch einen ganz anderen Gedanken zur Gastfreundschaft. Gastfreundlich sein - das heißt, ich teile mein Haus mit anderen. Ich bewirte sie mit dem, was ich habe, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Ich schätze den Reichtum der Begegnung höher ein als die Störung und den Zeitverlust.
Auch meine  Gedanken sind wie ein Haus. Ich teile sie oft nur mit denen, die mir ganz nahe sind. Was ich wirklich denke, halte ich oft zurück - weil ich Angst habe, dass etwas weitererzählt wird, weil ich keine anstrengende Diskussion will, weil ich befürchte, dass mein Gegenüber anderer Meinung ist und mich dann weniger schätzt als bisher.
Aber auch das könnte ein Stück Gastfreundschaft sein - das Haus meiner Gedanken teilen, mich anderen Menschen öffnen und ihnen erzählen, was mich bewegt, sie einladen zu einem ernsthaften Gespräch, in dem wir uns nahekommen und ich mich traue, zu vertrauen.
Und schließlich der dritte und letzte Vers unseres Predigttextes: Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.
Keiner von uns sitzt im Gefängnis - und ich hoffe, dass auch niemand von uns misshandelt wird. Aber es gibt so viele Menschen, die gefangen sind, die misshandelt werden und die kein menschenwürdiges Leben leben dürfen. Diese Menschen sollen wir nicht vergessen - und dabei geht es natürlich auch wieder um Geld, um diesen Menschen zu helfen. Es geht aber auch darum, sie nicht zu vergessen und uns nicht zu hundert Prozent in unseren Gedanken über unser Land und unsere Gesundheit und unsere Situation zu verlieren. Seit Monaten beherrscht ein Thema unsere Nachrichten und auch viele Gespräche, die ich mitbekomme, und ich es merke es auch an mir selbst, dass sich meine Gedanken sehr oft darum drehen: Corona, Corona, Corona.
Nein, die Krise ist noch nicht zu Ende, und wir müssen immer noch in manchen Dingen anders leben und handeln, als wir es gewöhnt waren. Aber nichtsdestotrotz geht es uns gut, wir hungern nicht, und wenn wir wirklich krank werden sollten, würde sich ein gutes Gesundheitssystem um uns kümmern.
Deshalb lasst uns aufhören, unsere Aufmerksamkeit nur auf Corona zu richten - andere Menschen brauchen uns. Menschen, die gefangen sind in Gefängnissen und in Ländern mit ungerechten Strukturen, in denen sie keine Perspektive haben. Menschen, die misshandelt werden körperlich oder seelisch. Irgendwo in der weiten Welt - und in unserem Land. Lasst uns aufmerksam sein und die Not nicht übersehen!


Bleibt fest in der geschwisterlichen Liebe. 2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. 3 Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.
Der Predigttext spricht von den Engeln. Auch ihr habt schon Engel beherbergt. Und vielleicht gehen ja sogar täglich Engel bei euch ein und aus. Der Ehepartner. Die Tochter. Das Enkelkind. Die Nachbarin. Der Pflegedienst. Der Briefträger.  Die Mutter. Der Opa. So viele Engel gibt es auf der Welt. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus! Amen.

 

Lied: EG 667 Wenn das Brot, das wir teilen
Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.
Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt und die Not, die wir lindern, zur Freude wird, dann hat Gott…
Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt, dann hat Gott…
Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird, dann hat Gott…
Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt, dann hat Gott...

 

Kollekte: An diesem Sonntag ist eine Wahlkollekte dran, wir haben uns für die Unterstützung der örtlichen VEM-Mitgliedskirchen in Namibia und West-Papua in ihrem Kampf gegen HIV und Aids entschieden. Sie kümmern sich um Aufklärungskampagnen, Tests und Behandlung sowie Pflege und Begleitung erkrankter Menschen und ihrer Angehörigen oder Hinterbliebenen. Die eigenen Mittel reichen dafür jedoch nicht aus. Im Internet können Sie diese und andere Wahlkollekten unterstützen unter:
https://www.kd-onlinespende.de/organisation/ev-kirche-im-rheinland/display/frame.html

Zwischenspiel: Improvisation zu den neun Planeten Nr. 5 Jupiter, der Königliche

Fürbitten:

Guter Gott, du sorgst für uns, ja, mehr noch: du schenkst uns das Brot des Lebens! Dafür danken wir dir und bitten: hilf, dass wir die nicht vergessen, die Hunger leiden.
Wir bitten für die Menschen, die hungern nach Gerechtigkeit: lass ihnen Gerechtigkeit widerfahren. Hilf uns, dass wir eintreten für die, deren Recht mit Füßen getreten wird.
Wir bitten für die Menschen, die hungern nach Gemeinschaft: lass sie nicht allein, sondern führe sie zur Gemeinschaft deiner Gemeinde. Hilf uns, dass wir unsere Zeit mit ihnen teilen.
Wir bitten für die Menschen, die hungern nach Heilung: lass sie dein Heil erfahren. Hilf uns, dass wir ihnen beistehen in Krankheit und Leid.
Wir bitten für die Menschen, die hungern nach dem Sinn ihres Lebens: Lass sie erkennen, dass alles Leben in dir Erfüllung findet. Hilf uns, dass wir Wegweiser werden zu dir hin.
Wir bitten für die Menschen, die hungern nach Liebe: Lass sie deine Liebe spüren. Hilf uns, dass wir ihnen in Liebe begegnen.
Wir bitten für die Menschen, die hungern nach dem täglichen Brot: Lass sie satt werden. Hilf uns, dass wir abgeben von unserem Überfluss.
Wir danken dir, Gott, dass du für uns da bist, und preisen dich für deine Güte.

 

Vater unser

 

Lied: EG 666 Selig seid ihr
Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt. Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt.
Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt. Selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.
Selig seid ihr, wenn ihr Leiden merkt. Selig seid ihr, wenn ihr ehrlich bleibt.
Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht. Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt.

 

Segen
Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen.

Nachspiel: Improvisation zu den neun Planeten Nr. 6 Saturn, der Ewige

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