Hausgottesdienst 22.11.2020

Hausgottesdienst

Evang. Gemeindeverbund Simmern

Offb 21,1–7/ Ewigkeitssonntag 22.11.2020

Pfarrer Gottfried Heß

 

Die aktuellen Hausgottesdienste als PDF-Datei zum Ausdrucken, Musik (und auch die Hausgottesdienste der vorherigen Wochenenden) finden Sie hier:

https://redstorage.ekir.de/d/4042646506104758bed3/

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Lied: Evang. Gesangbuch 124, 1 – 4

1.Nun bitten wir den Heiligen Geist

um den rechten Glauben allermeist,

dass er uns behüte an unserm Ende,

wenn wir heimfahrn aus diesem Elende. Kyrieleis.

2.Du wertes Licht, gib uns deinen Schein,

lehr uns Jesus Christ kennen allein,

dass wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland,

der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis.

3.Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst,

lass uns empfinden der Lieb Inbrunst,

dass wir uns von Herzen einander lieben

und im Frieden auf einem Sinn bleiben. Kyrieleis.

4.Du höchster Tröster in aller Not,

hilf, dass wir nicht fürchten Schand noch Tod,

dass in uns die Sinne nicht verzagen,

wenn der Feind wird das Leben verklagen. Kyrieleis.

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen! Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

aus Psalm 126

Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird,

so werden wir sein wie die Träumenden.

Dann wird unser Mund voll Lachens u

nd unsre Zunge voll Rühmens sein.

Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen

und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

 

Gebet:

Gnädiger Gott,

dein Wort rührt an die tiefe Sehnsucht,

dass wahr wird, was du versprochen hast:

dass Weinen sich wandelt in befreites Lachen,

Kummer in Freude, Tod in Leben.

Du öffnest den Schleier unserer Trauer über erlittene Verluste,

löst den Panzer von unserer Seele,

mit dem wir uns wappnen gegen neue Enttäuschungen.

Du machst uns lebendig, aber auch verletzlich

in der Hoffnung auf eine neue Welt.

Lass uns nicht zu lange warten!

Gott, komme bald, halte dein Wort!

(Sylvia Bukowski, Pfarrerin, Wuppertal)

 

Lied: Evang. Gesangbuch 147, 1 - 3

1.»Wachet auf«, ruft uns die Stimme

der Wächter sehr hoch auf der Zinne,

»wach auf, du Stadt Jerusalem!

Mitternacht heißt diese Stunde«;

sie rufen uns mit hellem Munde:

»Wo seid ihr klugen Jungfrauen?

Wohlauf, der Bräut’gam kommt,

steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja!

Macht euch bereit zu der Hochzeit,

ihr müsset ihm entgegengehn!«

2.Zion hört die Wächter singen,

das Herz tut ihr vor Freude springen,

sie wachet und steht eilend auf.

Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,

von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig,

ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.

Nun komm, du werte Kron,

Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna!

Wir folgen all zum Freudensaal

und halten mit das Abendmahl.

3.Gloria sei dir gesungen

mit Menschen- und mit Engelzungen,

mit Harfen und mit Zimbeln schön.

Von zwölf Perlen sind die Tore

an deiner Stadt; wir stehn im Chore

der Engel hoch um deinen Thron.

Kein Aug hat je gespürt,

kein Ohr hat mehr gehört

solche Freude.

Des jauchzen wir und singen dir

das Halleluja für und für.

 

Predigttext:

Offb 21,1–7

1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!

6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 7 Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

 

Liebe Gemeinde!

„Darum wachet, ihr wisst weder Tag noch Stunde“

Das haben viele von Ihnen im vergangenen Jahr, oder in den vergangenen Jahren erfahren. Sie haben gewacht am Kranken- oder Sterbebett, sie wussten, die Tage oder Stunden sind gezählt, und doch kam es in einem Moment, an dem sie es nicht erwartet hatten, der letzte Atemzug. Es war so weit, der befürchtete Moment war eingetreten. Der Moment des Abschieds war da. „Wachet, ihr wisst weder Tag noch Stunde“, das haben sie erlebt.

Für uns selbst haben wir es noch vor uns. Wir wissen weder Tag noch Stunde, wann wir Abschied nehmen müssen.

Schmerz, Tränen und Trauer nehmen uns gefangen beim Tod eines nahen Angehören, bei einer guten Freundin, bei einem Freund. Aber solch ein Tod konfrontiert uns auch mit unserer eigenen Endlichkeit,

mit der letzten Grenze unseres Lebens. Aber dann sagt unsere Bibel: Es ist doch nicht das Letzte, nicht die letzte Grenze. Es gibt noch ein Leben nach diesem Leben. Es gibt ein Leben nach dem Tod, ein Leben im Himmel, im Paradies, in der Ewigkeit.

In unserer Bibelstelle aus der Offenbarung des Johannes wird es beschrieben: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde,…  da wohnt und lebt dann Gott mitten unter den Menschen. Da gehören dann die Menschen zu ihm, und Gott ist immer bei ihnen,

und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein..." Nach der Offenbarung des Johannes: heißt es: Gott kommt auf die Erde, alles wird anders und besser sein.

Jemand hat dies einmal neu formuliert:

„Ich hatte einen Traum:

Ich sah eine neue Welt, die jetzige war vergangen.

Ich sah eine Stadt, geschaffen für ein glückliches Leben

aller, die in ihr wohnen.

Und ich erkannte:

In einer Welt, die nicht von der Habsucht der einzelnen bestimmt wird, sondern vom Streben nach dem gemeinsamen Wohl aller,

erhält alles ein anderes Gewicht. Auch Leid schwindet - Leid durch Mühsal, Streit, Krankheit und Tod.

Und ich hörte eine Stimme,

die sprach: Dieser Traum ist wahr - die Vorwegnahme zukünftiger Wirklichkeit.

Ein neuer Geist verändert alles. Er macht alles neu!“

(R. Kautzky, Sein Programm, 1984, S. 91)

 

Sind das nur Träume? Träume von einer besseren Welt, von einem besseren Leben hier auf der Erde oder in der Ewigkeit? Sind das nur Träume, die die Härte der Realität nicht aushalten? Ich weiß, dass manche unter ihnen allzu gerne das nicht wahrhaben wollen, was ihnen in diesem Jahr widerfahren ist. Am liebsten würden Sie es wie einen bösen Traum hinter sich lassen, um dann aufzuwachen, und es ist alles ganz anders. Wir haben an den Gräbern gestanden und mussten erfahren, dass es kein Traum war, es war bittere Wirklichkeit. Der Tod ist meist überraschend in unser Leben hinein gedrungen und Wirklichkeit geworden. Lange hatte man den Gedanken weggeschoben. Nun war es geschehen. Man musste Abschied zu nehmen. Nicht wie gewohnt, sondern für immer: "Erde zur Erde. Asche zur Asche. Staub zum Staube" Das war die harte Wirklichkeit, die uns wie aus einem Traum aufschrecken ließ. Ist das Leben nur ein Traum gewesen, der beim Tod plötzlich abbricht?'' Es ist etwas abgebrochen in unserem bisherigen Leben, wenn uns der Tod von einem lieben Menschen trennt. Das Grab ist eine Erfahrung der Wirklichkeit, die uns nüchtern macht. Manche macht sie auch hoffnungslos. Wir haben an den Gräbern unsere Hoffnung und unseren Glauben bezeugt. wenn wir hörten: „Jesus Christus wird uns auferwecken am jüngsten Tage. Er sei uns gnädig im Gericht und geleite uns zu seinem ewigen Reich.“ Und dies, obwohl wir der Wirklichkeit ins Auge sehen, dass das „Erde bist du und zur Erde sollst du wieder werden" gilt. Hier tut sich für uns ein tiefer Widerspruch auf zwischen dem, was wir glauben, und dem, was wir fühlen. Zwischen der Einsicht, dass der Tod das Ende ist, und der Hoffnung, dass, er es doch nicht ist. Manche meinen, mit dem Tod sei alles aus. Vielleicht hat sogar jeder und jede von uns diesen Gedanken schon einmal gedacht. Und dann gibt es doch die Sehnsucht, dass es nicht so ist. Ich habe schon öfter den Satz gehört: „Es wäre schön, wenn es stimmt, was Sie da sagen, Herr Pfarrer, aber glauben kann ich es nicht.“ Andere sagen: Ich möchte ja dran glauben, aber da ist mehr Zweifel als Hoffnung. Und wieder andere sagen, besonders im Angesicht des Todes: „Wie arm sind die dran, die nicht glauben.“

Die Bibel ist in dieser Frage sehr eindeutig: Gott ist es, der Zeit und Ewigkeit bestimmt. Nur weil es Gott gibt, darf ich sein und bleiben. Nur weil es Gott gibt, habe ich Teil an seinem geschenkten Leben hier auf Erden und an seiner Ewigkeit. Es geht einzig um Gott, wenn wir Christen von Hoffnung reden angesichts des Todes.

Darum geht es auch dem Seher der Offenbarung. Das will er sagen, wenn er von seiner Vision berichtet und dem, was er gehört hat. Nicht der Mensch malt sich Bilder vom Himmel, sondern es ist Gott selber, der sich in diesen Bildern offenbart: Der neue Himmel und die neue Erde: das neue Jerusalem, das von Gott aus dem Himmel herabkommt; Gott mit ihnen, sie sein Volk. Und Gott der abwischt alle Tränen, der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei noch Schmerz. Nicht der Mensch ist es, der da etwas tut oder tun kann. Gott selber ist es. Gott allein! Das ist die Vision des Sehers der Offenbarung. Da ist nur noch das eine wichtig: Gott hat alles in der Hand. Gott ist es, der spricht: "Siehe. ich mache alles neu!" Aber was hilft mir das in aller Trauer, in allem Schmerz, in allen Tränen? Was hilft mir da diese Vision des Johannes von einem neuen Himmel und einer neuen Erde? Den Schmerz und die Trauer des Abschieds müssen wir zuerst einmal erleiden, wir müssen sie aushalten und wir müssen durchhalten. Die Trauer ist notwendig, sie drückt unser Gefühl aus. Die Trauer ist eine Würdigung der Verstorbenen. Es wäre doch traurig, wenn niemand um einen Menschen trauert. Aber in allem Schmerz und allem Trauer dürfen wir erfahren, dass wir selbst, die Verstorbenen und auch die anderen Menschen in Gottes Hand geborgen sind, im Leben und im Sterben und darüber hinaus. Zu wissen. dass unser endliches Leben, das, was wir als unsere Wirklichkeit erfahren und begreifen, von der unendlichen und herrlichen Welt Gottes umgeben ist, das ist tröstlich. Es ist tröstlich, dass wir nicht im Nichts des Vergessens versinken müssen, sondern einer ungeahnten Zukunft entgegengehen. Zu solchem Glauben macht uns die Vision des Johannes Mut. Das dürfen wir auch im Blick auf die Menschen glauben, die uns anbefohlen sind oder uns nahe sind, und ihnen damit Mut machen. Das verändert dann unser Leben: Aus der Hoffnungslosigkeit in die Hoffnung, aus dem Zweifel in das Vertrauen. Daran wollen wir uns am heute erinnern, der doch nicht nur Totensonntag ist und an die Verstorbenen erinnert, sondern auch Ewigkeitssonntag und damit an Gottes großes Geschenk erinnert in der irdischen Zeit und in der Ewigkeit. Der Ewigkeitssonntag ist auch ein Ruf, bereit zu sein, wie wir es im Gleichnis Jesu von den zehn Jungfrauen gesungen haben. Bereit sein meint, die Lampe des Glaubens sorgsam zu hüten und nicht leichtfertig verlöschen zu lassen. Es könnte sonst zu spät sein. wenn es gilt, zum Hochzeitsmahl bereit zu sein. Das Hochzeitsmahl ist im Gleichnis Jesu Bild für die Ewigkeit Gottes: ein Fest ohne Ende das ewige Leben. Gott selber lädt uns ein, an seinem Tisch Platz zu nehmen. Wir dürfen seine Gäste sein, dort in der Ewigkeit und hier in der Zeit. Darum gilt es, bereit zu sein in der Zeit für die Ewigkeit.

AMEN!!!

 

Lied: Evang. Gesangbuch EG 1 – 3 + 7

1.Jesus, meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben.

Dieses weiß ich; sollt ich nicht darum mich zufrieden geben,

was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht?

2.Jesus, er mein Heiland, lebt; ich werd auch das Leben schauen,

sein, wo mein Erlöser schwebt; warum sollte mir denn grauen?

Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht?

3.Ich bin durch der Hoffnung Band zu genau mit ihm verbunden,

meine starke Glaubenshand wird in ihn gelegt befunden,

dass mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann.

7.Seid getrost und hocherfreut, Jesus trägt euch, seine Glieder.

Gebt nicht statt der Traurigkeit: Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder,

wenn die letzt Posaun erklingt, die auch durch die Gräber dringt.

 

 

Fürbitten:

Ewiger Gott, Leben und Tod sind dein,

Tag und Nacht kommen aus deiner Hand,

Frage und Antwort liegen bei dir.

Dich bitten wir um Frieden und um Auferstehung an deinem Tag

für alle unsere Verstorbenen.

Rechne ihnen ihre Fehler nicht zu, du gnädiger Gott.

Vergib ihnen und uns,

was wir uns gegenseitig und dir schuldig geblieben sind.

Hilf den Trauernden, behüte verwaiste Kinder, verwaiste Eltern

und verwaiste Ehepartner.

Segne unser Leben und Sterben.

Stärke unseren schwachen Glauben.

Lass dein Adventslicht unsere dunklen Tage bescheinen,

und sende Licht von deinem Licht,

wo wir uns verirrt haben.

Amen

 

Vater unser

 

Segen:

Herr, sei vor mir,

damit du mich führst und leitest, mir den rechten Weg zeigst!

Herr, sei hinter mir,

damit du alle Nachstellungen von mir fernhältst

und mich immer im Auge hast!

Herr, sei neben mir,

damit du mich stützt und hältst,

wenn ich einen Wegbegleiter brauche!

Herr, sei unter mir,

damit du mich auffängst und trägst,

wenn ich auf meinen Weg stolpere oder gar falle!

Herr, sei in mir,

damit du mich tröstest, und mir immer zur Seite stehst!

Herr sei über mir,

damit du mich segnest und unter deinen Schutz nimmst!

 

So Segne dich der allmächtige und barmherzige Gott, das Vater,

der Sohn und der Heilige Geist. Amen!

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