Hausgottesdienst 06.06.2021

Hausgottesdienst Evang. Gemeindeverbund Simmern Jona 2, 1 - 11/ 1. Sonntag nach Trinitatis 6.6.2021 Pfarrer Gottfried Heß

 

Lied: 452, 1 + 5

1. Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.

5. Er will mich früh umhüllen mit seinem Wort und Licht, verheißen und erfüllen, damit mir nichts gebricht; will vollen Lohn mir zahlen, fragt nicht, ob ich versag. Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen!

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Aus Psalm 34

Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, dass es die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den Herrn und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen! Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. Als einer im Elend rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.  

Gebet:

Unser Vater, wir nennen dich Gott und wissen, dass du den Himmel über uns spannst und die Erde unter uns gründest, dass du die Zeit überdauerst und den Raum übersteigst: Wir beten dich an. 

Unser Gott, wir nennen dich Vater und wissen, dass du die Hungrigen sättigst und die Verzweifelten stärkst, dass du für uns da bist und wir geborgen und geliebt sind: Wir beten zu dir.

Unser Gott und Vater, wir singen, dass deine Ehre laut wird, wir klagen, damit du uns tröstest, wir bitten, dass du uns  hilfst, wir schweigen, um dein Wort zu hören: Herr, rede du. Amen.

Lied: Evang. Gesangbuch 365, 1 - 3

1. Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir, führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr. Er  reicht mir seine Hand; den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land. 

2. Wenn sich der Menschen Hulde und Wohltat all verkehrt, so find’t sich Gott gar balde, sein Macht und Gnad bewährt. Er hilft aus aller Not, errett’ von Sünd und Schanden, von Ketten und von Banden und wenn’s auch wär der Tod.

3. Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit; es kann mich nicht gereuen, er wendet alles Leid. Ihm sei es  heimgestellt; mein Leib, mein Seel, mein Leben sei Gott dem Herrn ergeben; er schaff’s, wie’s ihm gefällt!

Predigt

Liebe Gemeinde!

Die Geschichte des Propheten Jona ist Ihnen sicher bekannt. Der Prophet bekommt von Gott den Auftrag der Stadt Ninive den Untergang zu verkündigen. Doch Jona entzieht sich diesem Auftrag, flieht auf ein Schiff, das auf hohe See ausfährt. Als ein Unwetter losbricht und die Besatzung erfährt, dass Jona vor Gott flieht, werfen sie ihn ins Meer. Jona wird von einem großen Fisch verschlungen und dann wieder an Land gespuckt, damit er seinen Auftrag doch noch erfüllen kann. 

Diese Geschichte kennen sie sicher, weniger bekannt ist ihnen vielleicht das Gebet des Jona im Bauch des Fisches:

Predigttext: Jona 2, 1 – 11

Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches und sprach: Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und du hörtest meine Stimme. Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich, dass ich dachte, ich wäre von deinen Augen verstoßen, ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen. Wasser umgaben mich bis an die Kehle, die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt. Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich. Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott! Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel. Die sich halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade. Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen. Meine Gelübde will ich erfüllen. Hilfe ist bei dem HERRN. Und der HERR sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land.  

Dieses Gebet des Jona ist aufgebaut wie ein Psalm. Er beschreibt zuerst die Not die er erlebt, und dann die Rettung Gottes. Der Prophet klagt seine Angst, er fühlte sich im Rachen des Todes, in die Tiefe geworfen, von Fluten umgeben. Er meinte sogar von Gott verstoßen zu sein, als die Wasser ihn umgaben, die Tiefe ihn umringte, Schilf sein Haupt bedeckte. Er hatte das Gefühl, hinunter zu sinken zum Grund der Berge, dass sich die Riegel der Erde für immer hinter ihm schlossen. Es hört sich schlimm an, was der Prophet Jona hier beschreibt, und es war sicher auch schlimm, ins Meer geworfen und von einem großen Fisch verschluckt zu werden. Nun werden Sie sich vielleicht fragen, was wir mit dieser Bibelstelle anfangen sollen.

Dieses Bibelwort beschreibt ja nicht nur, was der Prophet Jona in dieser Erzählung erlebte, es beschreibt ja auch die Urängste von Menschen, in tiefste Tiefen zu versinken, das Gefühl von Aussichtslosigkeit und von Verzweiflung. Dieses Gebet des Jona ist für mich im übertragenen Sinn genau das, was Menschen in tiefster Not erleben. Das Gefühl im Rachen des Todes, in die Tiefe geworfen, von Fluten umgeben, von Gott verstoßen zu sein. Das Gefühl von dunklem Wasser umringt, hinunter zu sinken in bodenlose Tiefen. Menschen in der Depression fühlen sich genau so, aber auch Menschen, die andere innere oder äußere Nöte erleben.  

Und es berührt mich persönlich sehr, weil ich solche inneren Nöte auch kenne, und diese Worte der Bibel sehr treffend wiedergeben, was ich auch selbst schon gefühlt habe. Häufig habe ich diese Worte schon mit verzweifelten Menschen gebetet, denn es tut gut in der Not verstanden zu werden, in dem was man innerlich erlebt. Es tut gut, in Worte gefasst zu finden, was in der Verzweiflung oft nicht mehr oder noch nicht gesagt werden kann. Und besonders berührt mich auch, wie es weitergeht in diesem Gebet des Jona:

Am tiefsten Punkt, als seine Seele verzagte, kommt ihm Gott wieder in den Sinn, er ahnte wieder, dass Gott ihn hört. Und so hielt er sich nicht mehr krampfhaft fest am Dunkel des Todes, sondern an Gott und merkte dann, dass er ihm half. Gott hilft, in den tiefsten inneren und äußeren Tiefen, das habe ich selbst erlebt, und noch viele andere mit mir.

Dafür wollen wir Gott danken und ihm loben und preisen. Amen!

 

Lied: Evang. Gesangbuch 369, 1 + 2 + 7

1. Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

2.Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.

7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Fürbitten

Guter Gott, Du bist bei uns in den Stürmen des Lebens.

Wohin unsere Wege uns auch führen mögen,

Du bist immer schon dort.

Wir bitten Dich für alle,

die sich unsicher fühlen in ihrem Glauben,

denen es an Zuversicht fehlt,

dass sie das Leben meistern und zu ihrem Recht kommen werden. Schenke ihnen Gelassenheit auf ihrer Lebensreise

und lindere das nagende Gefühl, immer zu kurz zu kommen. Schaffe Du ihnen Recht!

Wir bitten Dich für die Menschen in Trauer, Krankheit und Einsamkeit.

Eröffne ihnen neue Räume

und weite ihren Blick für die Spuren Deiner Gegenwart.

Schenke Du ihnen Hoffnung!

Gott, alle diese Menschen, für die wir Dich bitten, das sind wir.

Wir sind Jona.

Du errettest uns Tag für Tag.

Dafür danken wir Dir!

Amen.

 

Vater unser

 

Segen

Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, segne dich: damit deine Ohren seine Stimme hören, damit deine Augen seine Führung erkennen, und damit dein Reden und Tun seine Barmherzigkeit bezeugen. Er ist mit dir mit seinem heiligen Geist. Amen.

Zurück