Hausgottesdienst 02.05.2021

Hausgottesdienst

Evang. Gemeindeverbund Simmern

Lukas 19, 37 - 40 / Sonntag Kantate, 2.5.2021

Pfarrer Gottfried Heß

 

Die aktuellen Hausgottesdienste als PDF-Datei zum Ausdrucken, (und auch die Hausgottesdienste, Musik der vorherigen Wochenenden) finden Sie hier:

https://redstorage.ekir.de/d/4042646506104758bed3/

 

Lied: Evang. Gesangbuch 302, 1+8 Du meine Seele, singe

1.Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön

dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.

Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;

ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

8.Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm;

der Herr allein ist König, ich eine welke Blum.

Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt,

ist’s billig, dass ich mehre sein Lob vor aller Welt.

 

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen! Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Aus Psalm 98

 

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr lässt sein Heil kundwerden;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken,

und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit

und die Völker, wie es recht ist.

 

Gebet:

 

Herr, unser Gott, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten

hast du uns Grund zum Loben und Danken gegeben. Über unsere Lippen

kommt aber oft nur das alte Lied mit Jammern und Klagen.

Lass uns damit aufhören und das neue Lied zu deiner Ehre singen

durch unseren Herrn Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen

Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

Lied: Evang. Gesangbuch 243, 1+6 Lob Gott getrost mit Singen

1.Lob Gott getrost mit Singen, frohlock, du christlich Schar!

Dir soll es nicht misslingen, Gott hilft dir immerdar.

Ob du gleich hier musst tragen viel Widerwärtigkeit,

sollst du doch nicht verzagen; er hilft aus allem Leid.

6.Gott solln wir fröhlich loben, der sich aus großer Gnad

durch seine milden Gaben uns kundgegeben hat.

Er wird uns auch erhalten in Lieb und Einigkeit

und unser freundlich walten hier und in Ewigkeit.

 

Predigttext: Lukas 19, 37 - 40

 

37 Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten,

38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

39 Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht!

40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

 

Predigt

 

Liebe Gemeinde!

Wiederum tauchen wir ein in die Szene, Jesus zieht in Jerusalem ein, Jesus kommt nicht hochherrschaftlich, sondern auf einem Esel.

Und dann, - hier setzt unser Predigttext ein -dann fingen die Jünger an laut zu singen, sie lobten Gott, was sie alles mit Jesus erlebt hatten und sprachen dann: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und auf Erden.“

Da erhebt sich Widerstand. Das wollten einige nicht hören.

Pharisäer forderten von Jesus, seine Jünger zurechtzuweisen

und den Gesang zu unterbinden. Darauf sagt Jesus: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“

Nach unserem Predigttext steht dann noch, dass Jesus über die Stadt Jerusalem weinte. Kein Stein wird auf dem anderen bleiben,

sie wird dem Erdboden gleichgemacht, weil Sie nicht erkannt hat,

was zum Frieden dient.

Danach vertreibt Jesus die Händler aus dem Tempel und predigt dort, diskutiert mit den verschiedenen jüdischen Gruppierungen,

und redet in Gleichnissen. Dann, noch einmal, kündigt er das Ende Jerusalems an, „Jerusalem wird zertreten werden“ Lk 21, 24

Trotzdem spricht Jesus von Erlösung. Viele hören ihm zu, aber man belauert ihn auch, um ihn aus dem Verkehr ziehen zu können.

Und das gelingt ihnen auch, Jesus wir verurteilt und stirbt am Kreuz.

Da heißt es: So steht's geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden

unter allen Völkern. (Lukas 24, 46f.)

Der Einzug Jesu in Jerusalem, der Gesang der Jünger, die Ankündigung des Untergangs von Jerusalem steht kurz vor dem Leidensweg Jesu vor seinem Tod. Dass diese Stelle für den heutigen Sonntag Kantate („Singet“) herausgesucht wurde hat den Grund in dem lauten Gesang der Jünger. Sie lobten begeistert Gott für all das, was sie mit Jesus erlebt hatten, seine Reden, seine Gleichnisse, seine Wunder. Sie singen, weil sie begeistert sind,

und weil sie und das jubelnde Volk fälschlicherweise erwarten,

dass Jesus der neue König Israels wird, er die Römer als Besatzungsmacht vertreiben wird, und dass es dem Volk Israel viel besser gehen wird.

Die Jünger hatten zwar schon von Jesus gehört, dass er leiden müsse und getötet wird. Aber das hatten sie nicht begriffen. Sie ahnten noch nichts von Jesu Tod geschweige denn, dass sie seine Auferstehung erahnen konnten.

Sie waren noch im Irdischen verhaftet, die Jünger und das jubelnde Volk, sie dachten noch an einen weltlichen Herrscher, eines irdischen Königs. Und genau das wird Jesus zum Verhängnis.

Die Oberen des jüdischen Volkes wollen den Gesang verbieten,

das herbeijubeln eines neuen Königs. Sie befürchten Aufruhr, Umsturz, Unruhen, Gewalt und damit eine heftige Unterdrückung

durch die Römer. Sie wollen die Aufrührer mundtot machen, sie sollen nicht singen, keine aufrührerischen Reden halten. Sie sollen einfach den Mund halten. Die Antwort Jesu ist zunächst sehr geheimnisvoll: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. In den nächsten Zeilen wird dieses Wort so gedeutet: Jerusalem wird untergehen, es wird kein Stein auf dem anderen bleiben, weil Jerusalem, das Volk Israel, nicht erkennt, was dem Frieden dient. Dem Frieden dient auf jeden Fall nicht,

den Jüngern den Gesang zu verbieten.

 

Besonders eindrücklich in unserem Abschnitt ist dieser eine Satz Jesu: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Es ist ein überzogenes Bild für den Untergang des Stadt Jerusalem. Obwohl wir wissen, dass Steine nicht schreien können. Aber wenn alles andere, die Menschen, die Tiere zum Schweigen gebracht worden sind, dann bleiben nur noch die Steine, die Trümmer, die Ruinen, die das Unrecht, die Not herausschreien können, ohne Ton, aber als eindeutiges Zeichen des Untergangs.

 

Können Steine schreien? Können heute Steine schreien?

Können Steine singen? Können heute Steine singen?

Können Steine sprechen? Können heute Steine sprechen?

 

Wenn ich Bilder aus Kriegsgebieten sehe z.B. in Syrien, dann habe ich schon den Eindruck, die die Steine zerstörter Häuser schreien können. Wenn ich die Trümmer zerstörter Städte im zweiten Weltkrieg, in anderen Ländern und auch in Deutschland sehe,

dann höre ich da die Klage und den Schmerz.

Die Stolpersteine der Opfer des Nationalsozialismus – diese messingfarbenen Steine, die auf dem Gehweg eingelassen sind

mit z.B. Namen von Juden, die dort gewohnt haben und ermordet worden sind, es wäre gut, wenn sie schreien würden, wenn man achtlos vorübergeht oder sogar darauf tritt.

Die romantisch wirkenden der Ruinen von Burgen hier im Hunsrück und am Rhein sind Zeichen von Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekriegs Ende des 17. Jh. Ihr Schrei ist fast verklungen,

aber wenn wir uns mit der Geschichte unserer Region beschäftigen,

dann ist er noch zu hören.

Der lautlose Schrei der Steine ist notwendig,

wo alles andere zum Schweigen gebracht worden ist oder eben schweigt.

 

Können Steine singen? Können heute Steine singen?

Jetzt, wo wir als Gemeinde nicht singen dürfen, müsste man ja hören, wenn die Steine dieser Kirche singen. Vielleicht habe Sie ja gesungen und gejubelt, als vor Jahrhunderten die Kirchen fertiggestellt wurde. Vielleicht haben sie mitgesummt oder mitgesungen bei anderen freudigen Ereignissen, bei Taufen, bei Konfirmationen oder bei Trauungen. oder jeweils am Sonntag Kantate, der über einige Hundert Mal hier gefeiert wurde.

Vielleicht haben sie auch geweint, als ein Kind zu Grabe getragen wurde, oder etwas Schreckliches im Hunsrück passiert war.

 

Können Steine sprechen? Können heute Steine sprechen?

Also, wenn sie schreien können und singen, dann können sie auch sprechen. Es gibt ja da geflügelte Wort: „Wenn Steine sprechen könnten, dann könnten sie viel erzählen.

“Einen Stein gibt es nicht erst dann, wenn er in eine Kirche oder anderes Gebäude eingebaut wird. Z.B. der Sandstein ist vor etwa 150 Millionen Jahren aus Sand meist am Meeresboden entstanden

und wurde unter Druck er zusammengepresst.

Als er in eine Kirche eingebaut wurde, hat er eine schon viel längere Geschichte hinter sich. Es wäre spannend zu hören, was er in den 150 Millionen Jahren alles erlebt hat. Auch spannend wäre, etwas aus der Geschichte unserer Kirchen zu hören.

 

Wie viele Predigten haben sie gehört oder anhören müssen.

Z.B. in Simmern waren es seit der Reformation über 60 Pfarrer und seit neuestem auch Pfarrerinnen. Die haben die Steine der Stephanskirche erlebt und könnten von ihnen erzählen.

Sie haben erlebt wie sich die Zeiten verändert haben,

wie sich die Kleidung der Gottesdienstbesucher verändert tat.

Früher war es üblich, dass man bei einem Gottesdienst mit Abendmahl, den besten Anzug, das beste Kleid anzog, das „Nachtmahlsgwand“. Dann gab es in allen Kirchen vor der Zeit der Kirchensteuer den Streit um die Sitzplätze, es gab fest Regeln und die Plätze wurden jährlich neu verkauft. Vielleicht haben die Steine auch beobachtet, dass eine Frau immer am gleichen Platz saß. Und eines Tages saß da jemand anderes. Sie setzte sich nebendran

und erzählte: „Do hon eich immer a bisje in die Richtung geruckt,

bis eich wiere an meinem Platz gesess hon.“

Vielleicht haben die Steine da ja auch gelacht.

 

Ja sie könnten viel erzählen die Steine, wenn sie reden könnten,

sie könnten uns einiges vorsingen und hätten im Lauf der Geschichte wohl auch einige Male schreien müssen.

Als lautloses Symbol können wir von den Steinen einiges erfahren.

aber sonst schweigen sie.

 

Damals haben die Jünger nicht geschwiegen, sie haben geredet und gesungen, und Jesus hat ihnen nicht geboten zu schweigen,

wie es die Pharisäer gern gehabt hätten. Später hätte der Tod Jesu sie fast zum Schweigen gebracht, aber die Auferstehung Jesu Christi und der Heilige Geist drängte sie zum Reden, zum Predigen über die Frohe Botschaft von Jesus Christus. Wenn sie geschwiegen hätten, dann hätten vielleicht auch die Steine schreien müssen.

Nun sind wir bei uns, nicht nur bei den Steinen einer Kirche,

sondern auch bei der Frage, ob wir schweigen, bei zu vielem schweigen. Müsste nicht heute auch manchmal die Steine schreien,

weil zu viele in der Kirche schweigen. Es wird zwar viel lamentiert,

über die Pfarrer und Pfarrerinnen über das Presbyterium, über die Corona-Regeln, über unsere Regierung.

Aber es wird über viel Wichtigeres geschwiegen. Vielleicht sollten da auch die Steine schreien. Uns geht es in der Corona-Epidemie noch einigermaßen gut, im Vergleich zu Ländern, in denen ein schlechtes oder kaum ein Gesundheitssystem gibt. Dass wir in unserem reichen Land viel schneller Impfungen bekommen als Menschen in armen Ländern. Da sollten die Steine schreien.

Schreien sollten eigentlich wir, wenn Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken und keinen Schutz in den reichen Ländern Mitteleuropas finden.

Es gibt noch vieles mehr, wo die Steine schreien sollten, weil wir zu viel schweigen, den Mund halten und uns ducken.

Jesu fragt: „Was dient dem Frieden?“

Wir müssen uns fragen: „Wo dienen wir dem Frieden?“

Denn das Evangelium von Jesus Christus, die Botschaft von der Auferstehung ist eine Botschaft des Friedens.

AMEN.

 

 

Lied: Evang. Gesangbuch 369, 1+3+7

Wer nur den lieben Gott lässt walten

1.Wer nur den lieben Gott lässt walten

und hoffet auf ihn allezeit,

den wird er wunderbar erhalten

in aller Not und Traurigkeit.

Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,

der hat auf keinen Sand gebaut.

3.Man halte nur ein wenig stille

und sei doch in sich selbst vergnügt,

wie unsers Gottes Gnadenwille,

wie sein Allwissenheit es fügt;

Gott, der uns sich hat auserwählt,

der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

7.Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,

verricht das Deine nur getreu

und trau des Himmels reichem Segen,

so wird er bei dir werden neu.

Denn welcher seine Zuversicht

auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

 

Fürbitten

 

Gott, du bist der Komponist unseres Lebens.

Lass uns in unseren Herzen neue Lieder singen für diese Welt, die so viel Kummer kennt, nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie. Lass uns auch singen und schreien für die, die in Not geraten sind;

für die Menschen, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen. Schenke den Kranken Mut und Hoffnung, sei nahe den Sterbenden, tröste die Trauernden. Lass uns auch die nicht vergessen,

die nicht nur unter der Pandemie leiden, sondern weiterhin unter Krieg und Hunger, Verfolgung, Ungerechtigkeit und Armut.

Wecke unsere Zuversicht und stärke uns. Amen.

 

Vater unser

 

Segen

 

So segne Dich der allmächtige und barmherzige Gott,

der Vater, der Sohn und der heilige Geist.

Amen.

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